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Was mit den Augen nach dem Tod passiert

Blog-Eintrag -

Was mit den Augen nach dem Tod passiert

Die Augen sind das Fenster zur Seele. Wenn Menschen sterben, erlöschen sie – und trotzdem erinnern die Augen vom ganzen Körper wahrscheinlich am meisten an den Toten. Darum werden Toten, die mit offenen Augen starben, die Augen geschlossen. Wie verändern sich die Augen nach dem Tod und wie lange ist eine Hornhautspende möglich?

Der wichtigste Grund dafür, den Toten die Augen zu schliessen, ist Pietät. Früher spielte auch Aberglaube eine Rolle, weil die Leute sich vor den leeren Blicken der Toten fürchteten.

Vor der Totenstarre ist das Schliessen der Augen problemlos möglich. Nach Eintreten der Totenstarre können die Augen nicht mehr ohne weiteres geschlossen werden.

Ein paar Stunden nach dem Tod trocknet die Bindehaut aus – jedenfalls bei Toten, denen die Augen nicht geschlossen wurden. Später verfärbt sie sich gelblich-bräunlich, nach einiger Zeit wird sie dann schwarz.

Für Bestatter sind die Augen der Toten ein wichtiger Punkt auf der To-do-Liste. Sind die Augen offen, setzen sie genoppte Plastikkappen auf die Augäpfel. Über diese Noppen können die Augenlider gezogen werden. So wird das ungewollte Öffnen der Lider etwa bei der Aufbahrung, verhindert. Darüber hinaus verhindern Augenkappen das Einsinken der Augenlider.

Cornea-Spende

Bevor die Verstorbenen zu den Bestattern kommen, ist es möglich, das Auge zu entnehmen und die Augenhornhaut zu spenden. Transplantationen der Augenhornhaut, in der Fachsprache Cornea-Transplantation genannt, sind eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Gewebetransplantationen.

Sogar Menschen mit Fehlsichtigkeit oder solche, die eine Katarakt-OP hinter sich haben, können Augenhornhäute spenden. Eine Laserkorrektur kann die Cornea-Spende ausschliessen, da bei dem Eingriff die Hornhaut bereits manipuliert wurde. Weil sich die Augenhornhaut nicht ohne Verminderung der Funktionstüchtigkeit sterilisieren lässt, schliessen auch bestimmte Erkrankungen die Cornea-Spende aus – Beispiele sind unter anderem HIV, Hepatitis B/C oder Syphilis.

Die Cornea muss durch den Arzt im Spital entfernt werden. Nach der Entfernung werden die Augenhornhäute in Nährlösungen aufbewahrt und anschliessend in Gewebespende-Banken gelagert. Dort können sie Menschen mit Augenverletzungen, Infektionen oder Geschwüren zu besserer Sicht verhelfen. Aber auch Patienten, die an Stoffwechselstörungen oder getrübter Cornea leiden, können davon profitieren.

Weil die Augenhornhaut nicht durchblutet ist, kann sie bis zu zwei Tage nach dem Tod entnommen werden. Die Zellen bauen sich jedoch immer mehr ab, deshalb ist eine möglichst baldige Entnahme immer am besten. Damit äusserlich nichts auf die Entnahme des Auges hindeutet, werden nach der Gewebeentnahme ebenfalls Kappen oder ähnliches eingesetzt und die Augen geschlossen.

So sieht man den Verstorbenen ihre grosszügige Spende auch im Aufbahrungssaal nicht an und kann sich ohne bange Augenblicke voneinander verabschieden.

Gregor Szyndler

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