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Etwas für’s Auge: Wieso Bündner Jäger Ohrringe tragen

Blog-Eintrag -

Etwas für’s Auge: Wieso Bündner Jäger Ohrringe tragen

Brille, Kontaktlinsen, Laseroperationen: Für die Menschen in früheren Zeiten undenkbar. Sie behalfen sich daher mit altem Wissen. Bündner Jäger etwa sollen goldene Ohrringe getragen haben, um ihre Sehkraft zu verbessern.

Ewige Jugend, Reichtum, Ruhm – das sind Wünsche, die viele Leute hegen. Aber Hand auf’s Herz: Wäre es nicht viel besser, wie ein Adler zu sehen? Über eine Sehkraft -und schärfe zu verfügen, die einen alles erkennen lässt, auch auf grosse Distanzen?

Kontaktlinsen zu tragen oder sich einer Laserbehandlung zu unterziehen, sind moderne Methoden, dem Sehvermögen auf die Sprünge zu helfen. Was aber, wer in früheren Zeiten auf grosse Sehkraft angewiesen war? Die «Augenmedizin» ist zwar eine alte Teilwissenschaft der Medizin; sie befasste sich mit Augenleiden aber vor allem dann, wenn sie schon aufgetreten waren. Und Zugang zur Augenheilkunde hatten privilegierte Kreise: Städter, Vermögende, obere Stände.

Unterengadiner Jäger trugen Ohrringe – sagt man

Da war guter Rat teuer. Oder doch nicht? Im Unterengadin erzählt man sich «vom Hörensagen», dass sich die Jäger des Tals mit einem Schmuckstück behalfen: Um besser zu treffen, sollen sie goldene Ohrringe getragen haben.

Die Geschichte bleibt eine Legende. Es gibt keine Dokumente, in denen die Bündner Jäger das Tragen von Ohrringen empfehlen oder erwähnen. Aber warum auch? Sollten die Jäger mit dem Ohrring damit Erfolg gehabt haben, dann wird sich das in den Dörfern auch so herumgesprochen haben. Dass das Tragen von Ohrringen tatsächlich zu «guten Augen» führte, ist nicht unwahrscheinlich.

In der Alternativmedizin ist das Ohr mit dem Auge verbunden

Verschiedene Punkte am Ohr – vor allem auf der Ohrmuschel und am Ohrläppchen – sind durch die Nerven mit Organen des Körpers verbunden. Im Zentrum des Ohrläppchens befindet sich der sogenannte «Augenpunkt». Dieser spielt sowohl für die Ohrakupunktur wie auch für die Reflexzonentherapie, zwei Bereiche der alternativen Medizin, eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Augenkrankheiten.

Augenpunkt Ohrakupunktur

Die Ohrakkupunktur hat ihren Ursprung vermutlich im Nahen Osten. Das alte Wissen verbreitete sich aber weit herum. Die alte Medizin der Ägypter, Perser und die – auch bei uns (wieder) geschätzte – traditionelle chinesische Medizin beschreiben Behandlungen am Ohrläppchen. Wen wundert’s, dass auch die Seefahrer inklusive Piraten im Mittelalter Ohrringe trugen, um gut in die Ferne zu sehen – und allenfalls für ihr Begräbnis in Würde selber aufzukommen. Und auch Appenzeller Bauern legen bis heute goldene Ohrringe mit der «Ohreschuefle» an. Dieser Anhänger ist einer Kelle nachempfunden, einem bei den Sennen wichtiges Arbeitsinstrument.

Auch in anderen Angelegenheiten versprachen sich die Menschen Hilfe vom Augenpunkt. Frauen im Alten Ägypten stachen sich ihre Ohrläppchen zur Empfängnisverhütung. Im Mittelmeerraum wurde bis ins 20. Jahrhundert das Ohrläppchen mit glühenden Nadeln durchstochen und auf diese Weise versucht, Ischias-Schmerzen zu heilen.

Für die Sehkraft ist Ohrring nicht gleich Ohrring

Allerdings: Ohrring ist nicht Ohrring. Da Silber in der Akupunktur eine «reduzierende» Wirkung nachgesagt wird, sollen Silberohrringe sogar für schlechteres Sehen verantwortlich sein. Und: Alternativmediziner führen Leiden wie Kopf- und Rückenschmerzen oder Reizdarm auf Verletzungen zurück, die beim Tragen von Ohrschmuck wie Piercings entstehen können. Ohrringe aus Gold, wie diejenigen der Bündner Jäger, sollen aber tatsächlich stimulierend wirken und daher zur besseren Sehkraft beitragen.

In der Akupunktur geht man aber davon aus, dass nur sporadische Stiche stimulieren und eine Auswirkung auf die Sehkraft haben. Da sich der Körper an den Reiz gewöhnt, verpufft eine mögliche Wirkung nach einiger Zeit. Wer sich durch das Tragen von goldenen Ohrringen also Vorteile beim Sehen erhofft, müsste den Ring theoretisch immer wieder ablegen.

Jäger, Piraten und Appenzeller Bauern: Auch sie träumten gewiss von Reichtum. Vermutlich war ihnen aber vor allem klar, dass ihre Sehkraft eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Begleiterin auf dem Weg dahin war.

Sandra Schweizer


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VISTA – das ist erstklassige medizinische Leistung und umfassende Patientenbetreuung im Bereich Augenheilkunde. Den ersten Baustein zur heutigen Vista Gruppe hat Dr. Eduard Haefliger vor rund 25 Jahren gelegt. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in den USA zur Erforschung zukünftiger Intraokularlinsen eröffnete er 1986 seine erste Praxis in Binningen. Heute zählt die Vista Klinik zu den grössten privaten Augenkliniken in der Schweiz und geniesst auch international einen ausgezeichneten Ruf.

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